Waldschlösschen Chronik

Graf Marcolini

Das "Waldschlösschen" und die Bautzner Straße spielten in der Geschichte der Stadt Dresden stets eine bedeutende Rolle. Die damals an der Bautzner Straße gelegene Posernsche Kugelgießerei überließ man im Jahre 1778 dem Grafen Marcolini, der an dieser Stelle um 1790 das noch heute im Waldschlösschen Areal einzeln stehende, bezaubernde Jagdhaus nach den Bauplänen des Architekten und Baumeisters Johan Daniel Schade auf einer Anhöhe erbauen ließ. Graf Marcolini galt damals als sehr bedeutend und einflussreich, nicht zuletzt als Oberkammerherr mit seinem engen, freundschaftlichen Verhältnis zum Kurfürsten Friedrich August III. und durch sein Amt als Akademiedirektor seit 1780.

Das Jagdhaus

Das kleine Jagdhaus, vom Grafen auch "Waldschlösschen" genannt, war das erste neogotische Gebäude Sachsens und gilt als Schmuckkästchen der Bau- und Kunstgeschichte. Erst allmählich wuchs das heutige Preußische Viertel mit seinen reizvollen Villengrundstücken und Gärten um das Waldschlösschen und schloss dieses ein. Schon damals sah man vom Südbalkon des noch allein stehenden Waldschlösschens in der Ferne die Altstadt Dresdens mit der herrlichen Silhouette ihrer Türme und Bauten. Seit etwa 1829 wurde das Waldschlösschen als Schankwirtschaft betrieben.

Die Aktie

Aus diesem an großen geschichtlichen Erinnerungen so reichen Boden sollte sich nun der Bau der Waldschlösschenbrauerei erheben. Mitte des Jahres 1836 fanden sich angesehene Bürger Dresdens zusammen, um über die Zweckmäßigkeit der Gründung einer Gesellschaft zur Herstellung von Bier nach „bayerischer Art“ zu beraten. Im August 1836 veröffentlichte das aus 14 Mitgliedern bestehende Komitee einen Prospekt, in dem die Satzungen, die Organisation und Subskription nieder- geschrieben wurden. Am 12. und 13. August 1836 fand die Zeichnung der Aktien mit dem offiziellen Titel „Aktienverein der Societätsbrauerei zu Dresden“ statt. Bis zur Fertigstellung eines eigenen Großbraubetriebes braute man hier überregionale Fremdbiere.

Bau der Großbrauerei

Am 3. September 1836 wurde die erste Generalversammlung abgehalten, am 24. Oktober der Kaufvertrag über den Ankauf des städtischen Grundstücks abgeschlossen und die erforderliche Genehmigung des Neustädter Braurechts erreicht. Nach nun erfolgter Gründung der ersten Aktienbrauerei Deutschlands konnte endlich der Bau einer Großbrauerei auf dem eigenen Gelände unter Anleitung des Dresdner Baumeisters Klug und Zimmermeisters Schumann erfolgen.

Schon am 30. September 1837 war der Bau des Brauhauses im Wesentlichen vollendet und ein Teil des Lagerkellers fertig gestellt. Gegen Ende des Jahres 1837 konnte der Brauereibetrieb beginnen. Im Jahre 1838 wurde die große Mälzerei vollendet. Als technischer Leiter der Brauerei fungierte ein hervorragender Fachmann, der vorzüglich ausgebildete Braumeister Michael Wutz.

Mit endgültiger Fertigstellung der Großbrauerei Anfang 1838 erfolgte die historische Bezeichnung "Waldschlösschen" für die Brauerei nach dem erwähnten Jagdhaus des Grafen Marcolini, welcher es einst schon selbst so genannt hatte.

Die Eröffnung

Der für die Aktiengesellschaft so bedeutungsvolle und ausschlaggebende Tag der Eröffnung des Brauereiausschankes und damit die Eröffnung des heutigen "Brauhaus am Waldschlösschen" fand am 26. März 1838 statt. Die Dresdner strömten in Scharen herbei, um die festlich geschmückten Räume der im Hauptgebäude befindlichen großen Gaststätte zu erleben oder im Freien auf der noch heute einzigartigen, zur Elbseite vorgelagerten, breiten Terrasse einen Platz im Biergarten zu erobern. Das vorzügliche Waldschlösschenbier floss an diesem denkwürdigen Tag mit nicht weniger als 6000 Litern durch die durstigen Kehlen der Dresdner.

Der Export

Durch den guten Ruf des hier gebrauten schmackhaften Bieres wurden Leipzig, Berlin und zahlreiche mitteldeutsche Städte Abnehmer und ab 1855 begann der Export nach Brasilien, ab 1863 ging die Wagenlieferung nach Paris.

Rekonstruktion & Wiedereröffnung

In den folgenden Jahrzehnten entstanden auf dem Brauereigelände sowie im Umfeld des Waldschlösschens weitere Neubauten wie Bürogebäude, Läden, Wohnungen und auch gastronomische Einrichtungen. Mit Beginn der Rekonstruktion des gesamten Waldschlösschen Areals im November 1992 durch die Bayerische Hausbaubank aus München sowie der Wiedereröffnung des "Brauhaus am Waldschlösschen" im Jahre 1997 wurde das Areal in kurzer Zeit erneut zu einem beliebten Ausflugsziel für die Dresdner und ihre Gäste, für Jung und Alt, für Geschäftsleute und vor allem auch für die vielen Studenten der Stadt.

Neuer Glanz

Nach einer umfassenden Renovierung des Restaurants und der Erlebnisbrauerei finden seit 25. Februar 2005 wieder eine Fülle genussvoller Veranstaltungen in behaglicher Atmosphäre statt. Mit einem hausgebrauten, wohlschmeckenden und gesunden Waldschlösschen-Bier können Sie nach wie vor den einmaligen Panoramablick von der prächtigen Terrasse oder dem großen Biergarten über die Elbe auf die weltberühmte Silhouette der Dresdner Altstadt erleben. Schon er allein macht den Besuch des Hauses zu einer kleinen Attraktion.

Das Abbild des Marcolinischen Originals "Waldschlösschen" finden Sie im Wappen des Logos „Brauhaus am Waldschlösschen“ wieder. Früher wie heute ist das Jagdhaus "Waldschlösschen" Namensgeber für das gesamte Areal des ehemaligen Marcolinischen Besitzes - ein Areal, das bei Dresdnern und über die Grenzen hinaus in aller Munde ist.